ZWISCHEN AUFBRUCH UND BERÜHRUNGSÄNGSTEN:
DIE OPTI 2026
Von Jan-Fabio La Malfa / Fotos: OMNIdirekt
Mit offiziell 21.900 Fachbesuchern und rund 350 Ausstellern markierte die opti 2026 in der Messe München den Auftakt des Branchenjahres. Während die Hallen C1 bis C4 im Zeichen der globalen Konzernmacht und fortschreitender KI-Integration standen, offenbarte die Premiere der „opti SPHEARE“ in Halle C3 die aktuellen Herausforderungen bei der Integration von Optik und Akustik.
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Jeder, der italienische Wurzeln hat, weiß: Italien ist das Land der Brillen. So gesehen verwundert es nicht, dass die größte und wichtigste Augenoptik-Messe der Welt, die MIDO, im Februar in Italien stattfindet. Etwa 1.200 Aussteller erwarten dort alljährlich über 40.000 Besucher.
Verglichen mit der Hörakustikbranche bietet die Optik über das Jahr deutlich mehr Messetermine. Und unabhängig von anderen internationalen Events wie der SILMO (Frankreich), der Vision Expo (USA), der CIOF (China) oder spezialisierter Messeformate wie der Hall of Frames startet das Jahr mit der opti in München als einer der ersten bundesweiten Fachmessen, die das Ordergeschäft und den Informationsaustausch für die kommenden Monate eröffnet. Globale Konzerne nutzen München daher als Testmarkt für Nordeuropa. Wer technisches Equipment oder Glas-Innovationen vertreibt, geht im Januar zur opti, da deutsche Optiker als sehr qualitätsbewusst und technisch anspruchsvoll gelten.
So war es auch in diesem Jahr. Mit offiziell rund 21.900 Fachbesuchern und etwa 350 Ausstellern lieferte die opti das notwendige Stimmungsbild für ein Jahr, das von technologischem Umbruch und strukturellen Sorgen geprägt ist. Wer die Hallen C1 bis C4 sichtete, erkannte schnell, dass auch in der Optik nach Nachwuchs gefahndet wird. Besonders deutlich wurde das im Bereich des opti CAMPUS in Halle C4. Hier trafen die Meisterschulen und Fachhochschulen auf eine Industrie, die händeringend nach Köpfen sucht. Robert Leitl, Geschäftsführender Gesellschafter der Meisterwerk Gesundheit, beispielsweise beobachtete dabei eine signifikante Bereitschaft bei Nachwuchskräften und Optikern, über den Tellerrand hinauszuschauen und die Hörakustik als logische Erweiterung der eigenen Identität zu begreifen. Dieser interdisziplinäre Ansatz sei in der Praxis angekommen, da er dem Kundenwunsch nach »Service aus einer Hand« entspricht und gleichzeitig attraktive Karrierewege für Quereinsteiger und Weiterbildungswillige ebnet. »Die Bereitschaft, in der Weiterbildung bei uns den nächsten Schritt zu gehen, ist spürbar groß«, sagt Robert Leitl. »Viele Optiker liebäugeln mit einem Quereinstieg in die Hörakustik, da uns der Markt durch die gesellschaftliche Entwicklung förmlich entgegenwächst.« Eine Aufbruchsstimmung, die man in Halle 4 nicht nur bei Meisterwerk Gesundheit wahrnehmen konnte, sondern auch bei anderen Weiterbildungsträgern sowie Ausstellern in Halle 4C wie etwa bei hellomateo, die ihren KI-Kommunikationsassistenten nun auch Optikern anbieten möchten. »Durch die vielen Mischbetriebe ist natürlich naheliegend, dass wir auch diesen Weg verstärkt gehen. Und wenn man überlegt, dass wir letztes Jahr nur mit einem Drei-Mann-Stand da waren und lediglich 50 Optiker ansprechen konnten, diese opti aber über 200 Optiker, dann ist das extrem«, sagt Maurice Kraatz. Auch die verschiedenen ERP-Anbieter wie die EVEX-Gruppe oder opta data focus berichteten, genau wie ProAbo, von sehr guten Gesprächen in Halle C4.
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Im Windschatten von EssilorLuxottica
Nicht ganz so viel Zuspruch vonseiten der Messebesucher, wenngleich dennoch ordentlich besucht, erhielt die neu eingerichtete opti SPHEARE im Eingangsbereich der Halle C3. Das lag weniger an den Ausstellern und der SPHEARE selbst als vielmehr an der räumlichen Aufteilung. In Halle C3 konzentrierte sich die geballte Macht der Big Player und Medizintechnik: Firmen wie Rodenstock, Optiswiss, Ocumeda, diverse Anbieter von High-End-Refraktionseinheiten und der Gigant EssilorLuxottica lenkten so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass viele Besucher die Akustik-Fläche und das dortige Vortragsangebot nicht auf Anhieb wahrnehmen konnten. Flankiert von der opti VISIONARY Area, in der Start-ups die Zukunft der KI beschworen, dem NEXT GENERATION HUB, der um die Gunst der Jugend buhlte, und einem Nuance-Stand, der die opti SPHEARE zusätzlich verdeckte, hatten die Aussteller aus der Akustik nur bedingt eine Chance, gute und interessierte Messegespräche zu führen. Dass dies alles im Windschatten von EssilorLuxottica stattfand, wirkt auf mich daher fast schon symbolisch.
Die dort platzierten Branchenvertreter waren dennoch guter Dinge. So zum Beispiel Olaf Kirschberger, Geschäftsführer von Bellman & Symfon in Deutschland, der in der SPHEARE ein gutes, wichtiges Format sieht. »Das war clever – eine klare Anlaufstelle für Optiker und Mischbetriebe, um sich gezielt Informationen abzuholen«, so Kirschberger. »Das Interesse war überraschend hoch, gerade von reinen Optikern – viele haben unsere Konzepte förmlich gefeiert.« Besonders das »andere Mindset« der Messebesucher hebt er hervor: »Die Besucher sind entspannt, sie stöbern und zeigen ein aufrichtiges Interesse ohne fachliche Attitüde. Das Ganze wirkt sehr viel lebendiger als andere Veranstaltungen.« Neben dem Kundengeschäft schätzt er vor allem den Austausch: »Dieses Netzwerken zwischen den Partnern in der opti SPHEARE ist toll, auch wenn natürlich nicht alle da sind. Man tauscht Erfahrungen aus und spürt eine Dynamik – schließlich hört man hier auf den Fluren immer wieder, dass bereits jeder dritte Optikbetrieb ein Mischbetrieb ist.«
Das gelte insbesondere für die Einzelkämpfer in der Optik. Nicht nur einmal war zu hören, dass sich diese gegen die großen Ketten wappnen müssten. Während die Filialisten Tools wie Online-Shops oder eigene Zusatzversicherungen souverän ausspielen können, stehen diese Ressourcen dem Einzelkämpfer in der Optik oft nicht in gleicher Form zur Verfügung.
Diese Notwendigkeit zur strategischen Neuausrichtung sieht man auch bei Sinfona. Im Vergleich zum ersten opti-Auftritt vor einigen Jahren zog das Unternehmen, das in München unter anderem sina vorstellte (siehe Interview in diesem Heft ab Seite 46) ein differenziertes, aber klares Resümee. Man spüre, dass der Weg vom reinen Optik-Spezialisten hin zum Partner für Mischbetriebe zwar konsequent verfolgt wird, dieser erfordere aber auch Geduld. Da man ursprünglich aus der Akustik komme und über die Zeit immer mehr Mischbetriebe als Partner gewinnen konnte, sei man ergebnisoffen in diese Messe gegangen. »Gerade weil es nun die opti SPHEARE gibt, sehen wir das als guten Auftakt für die stärkere Vernetzung beider Branchen. Wir wollen von Anfang an dabei sein und lassen die Entwicklungen auf uns zukommen. Das Fazit ist gut, auch wenn man ehrlich sagen muss: Es schauen noch nicht alle Optiker hierher. Es sind immer noch zwei Branchen, die teilweise Überschneidungen haben«, so Sinfona-Geschäftsführer Michael Becker. Aber trotz mancher »Berührungsängste« überwiege der Optimismus, da die Offenheit spürbar zunehme. »Ich glaube, es wird noch seine Zeit dauern, bis diese Ängste überwunden sind und beide Welten enger zusammenwachsen. Aber der Auftritt hier war deutlich positiv. Die Leute sind bereit, sich zu informieren, und wir haben einige konkrete Gespräche mit Interessenten geführt, die Augenoptik und Hörakustik künftig in ihrem Fachgeschäft vereinen möchten«, so Becker abschließend.
