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125 Jahre Schwerhörigen-Selbsthilfe
JUBILÄEN. In diesem Jahr feiert die Schwerhörigen-Selbsthilfe in Deutschland ihren 125. Geburtstag. 125 Jahre Schwerhörigen-Selbsthilfe heißt auch, 125 Jahre »einander begegnen, sich auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen und sich gemeinsam für eine optimale Versorgung und Teilhabe zu engagieren«, wie der Deutsche Hörverband (DHV) in einer Pressemitteilung schreibt. Entsprechend lädt der Verband alle schwerhörigen Menschen ein, das Jubiläum »mit vielfältigen lokalen und regionalen Aktionen zu würdigen und zu feiern, sich der eigenen Geschichte zu erinnern und das Jubiläum vielfältig für Informationen und Begegnung zu nutzen«. Zu den Höhepunkten des Jubiläumsjahres sollen insbesondere ein Aktionstag am 3. März, also dem Welttag des Hörens, sowie eine Aktionswoche von 17. bis 20. September in Berlin zählen. Das Jubiläum der Schwerhörigenbewegung wird von DHV, DSB und DCIG sowie den ihnen angeschlossenen Strukturen gemeinsam begangen.

125 Jahre Schwerhörigenbewegung in Deutschland – bei den Gottesdiensten, die Margarethe von Witzleben ab 1901 initiierte, kamen erstmals schwerhörige und ertaubte Menschen zusammen, um die eigene Lebenssituation selbsttätig zu verbessern (Foto: Witzlebenstiftung)
Ausgangspunkt der Bewegung in Deutschland war im Übrigen ein Gottesdienst mit zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie einem Pastor in der Wohnung von Margarethe von Witzleben in Berlin. Initiiert worden war der von von Witzleben, um schwerhörige und ertaubte Menschen zusammenzubringen, so dass die ihre Lebenssituation selbstständig verbessern konnten. Drei Jahre nach diesem ersten Gottesdienst zählten bereits 157 Menschen zum Witzleben-Kreis. Im Laufe der Zeit entstanden dann in vielen weiteren Städten des Landes lokale Strukturen der Selbsthilfe sowie ein erster bundesweiter Verband.
1949 gründete sich schließlich in der Tradition Margarethe von Witzlebens der Deutsche Schwerhörigenbund e. V. (DSB). Mit der 1987 gegründeten Deutschen Cochlea-Implantat Gesellschaft (DCIG) waren es ab dann sogar zwei »wirkmächtige Bundesverbände«, die sich für die Belange ihrer schwerhörigen Mitglieder engagierten und denen bald viele regionale und lokale Strukturen der Selbsthilfe angehörten. Bekanntlich treiben DSB und DCIG inzwischen ihre Fusion zum Deutschen Hörverband voran.
»Lasst uns das Jubiläumsjahr nutzen, um die wichtigen Anliegen schwerhöriger Menschen einmal mehr in die Öffentlichkeit zu tragen«, sagt Dr. Harald Seidler, Vorstandsvorsitzender des DHV. »Ob DSB und DCIG oder auch die junge Selbsthilfe mit Bundesjugend (BuJu) und Deaf Ohr Alive (DOA) – ganz viele Menschen jeden Alters sind heute Teil dieser großen Bewegung und engagieren sich vielfältig für die Belange schwerhöriger Menschen. Die Erlebnisse und Erfahrungen, die jeder einzelne von uns hat, sind ein Teil dieser Geschichte. Also lasst uns das Jubiläumsjahr nutzen, um davon zu berichten, um auf andere zuzugehen, Einblicke zu geben, aufzuklären und die wichtigen Anliegen schwerhöriger Menschen einmal mehr in die Öffentlichkeit zu tragen! Jeder, der uns hierbei unterstützen möchte, ist herzlich eingeladen.«
