
Senior Director Roger: Alain Kertész
Alles Roger: Die neue Generation des beliebten Mikrofons jetzt mit Sphere-KI
Von Thomas Sünder / Fotos: OMNIdirekt, Phonak
Phonak hat mit dem Roger Sphere einen Sprung in die KI-gestützte Störgeräuschunterdrückung gemacht, mit der Sprache mehrerer Sprecher klar und deutlich übertragen wird. Dabei hat das Gerät weit mehr unter der Haube, als man bei einem Mikrofon vermuten würde. Selbst wer ältere Hörsysteme nutzt, kommt damit in den Genuss der Klangverarbeitung aus dem Premium-Segment der Sphere-Generation und erlebt Gespräche in Stereo. Wir unterhielten uns darüber mit Alain Kertész, Senior Director Roger bei Sonova.
Der Sinn eines externen Mikrofons ist ja die deutliche Erhöhung des Signal-Rausch-Abstands. Warum braucht das Signal jetzt noch eine zusätzliche Störgeräuschunterdrückung?
Das basiert direkt auf unserem User-Feedback. Wenn Nutzer den älteren Roger On in sehr lauten Umgebungen verwendet haben, kam manchmal doch noch etwas Störgeräusch mit durch. Je mehr wir davon direkt im Mikrofon unterdrücken können, desto besser wird der Klang für den Hörer. Das ist besonders wichtig, wenn das Mikrofon flach auf dem Tisch liegt. Wenn man es am Körper trägt, ist es so nah am Mund, dass es kaum Probleme gibt. Auf dem Tisch kommt aber Störgeräusch rein.
Ist das gestreamte Signal dann ein Monosignal, das von Störgeräusch befreit wurde?
Der Sound ist in Stereo, aber er geht als ein Signal an die Hörgeräte. Die Technologie funktioniert so: Zuerst machen die drei in Roger integrierten Mikrofone ein Beamforming, genau wie bei einem Hörgerät. Dieses Signal geht in den KI-Chip. Der Chip wurde mit verschiedenen Sound-Samples trainiert und reduziert das Störgeräusch gezielt.
Ist das derselbe Chip wie in den Sphere-Hörgeräten?
Genau, das ist der Hypersonic-Chip. Das Signal wird dann mit adaptiven Anpassungen an das Hörgerät gesendet – zum Beispiel wird die Lautstärke je nach Umgebung automatisch nachgeregelt.
Das heißt, jemand mit einer älteren Hörgeräte-Generation profitiert durch das Mikrofon trotzdem von der neuesten KI-Störgeräuschunterdrückung?
Richtig, das war unser Ziel. Nicht jeder kauft sich sofort ein neues Hörgerät. Wir haben Kunden mit Virto, wir haben Naída, wir haben CI-Implantate von Advanced Bionics. Egal ob ältere Modelle oder andere Systeme: Alle profitieren so von der neuesten Phonak-Technologie, ohne direkt neue Hörgeräte kaufen zu müssen.
Wie sieht es mit dem Empfangswinkel auf dem Tisch aus? Reicht das Beamforming für volle 360 Grad?
Ja, es funktioniert in 360 Grad. Wenn man aber eine genaue Lokalisierung von rechts und links haben möchte, muss man das Gerät entsprechend ausrichten.

Ist das Roger-Mikrofon richtig ausgerichtet, kommt man in Verbindung mit Phonak-Hörgeräten oder CI von Advanced Bionics in den vollen Genuss eines Stereo-Signals
Das bedeutet, ich kann im Stereosignal wirklich wahrnehmen, ob der Sprecher links oder rechts sitzt?
So ist es, wenn man es richtig ausrichtet. Man bekommt den vollen Stereogenuss allerdings nur in Verbindung mit Phonak-Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten von Advanced Bionics.
Wie sieht es mit der Konnektivität aus? Können mehrere Hörsysteme gleichzeitig mit einem Roger verbunden werden?
Ja, man kann unbegrenzt viele Hörsysteme mit einem Roger koppeln. In der Praxis ist es meist ein persönliches Mikrofon für eine Person, aber technisch gibt es kein Limit.
Welches Übertragungsprotokoll wird dafür genutzt? Handelt es sich um standardmäßiges Bluetooth?
Nein, das ist unser eigenes Roger-Protokoll. Es ist speziell auf eine extrem geringe Verzögerung und einfache Bedienung optimiert. Ein Knopfdruck auf die Connect-Taste reicht, und das Hörgerät ist direkt verbunden – ganz ohne App.
Springt das Signal dann nicht aus Versehen auf andere Phonak-Nutzer im Raum über?
Nein, wir haben das Kopplungssignal bewusst so eingerichtet, dass man dafür näher als 10 Zentimeter am Gerät sein muss.
Kann man das Mikrofon auch mit einem Laptop verbinden, etwa für Sprachaufnahmen oder Onlinemeetings?
Ja, das geht per Kabel über USB-C. Man kann es zum Beispiel perfekt als Mikrofon für Zoom- oder Teams-Calls nutzen.
Wie lange hält der Akku im Betrieb?
Wir garantieren 8 Stunden Laufzeit – und das bei voller Funktionalität inklusive des KI-Chips. Neu ist außerdem, dass der Akku vom Nutzer selbst ausgetauscht werden kann. Das Gerät kann übrigens auch verwendet werden, während es per USB aufgeladen wird.
Wie sieht es mit der Nutzung in Schulen aus? Wurde das Gerät auch dafür mit konzipiert?
Es ist primär für Einzelanwender im Erwachsenenbereich entwickelt worden. Für Schulen haben wir ein separates Portfolio wie das Touchscreen Mic. Dort sind die Anforderungen anders: Wir brauchen längere Akkulaufzeiten für den ganzen Schultag und eine größere Stummschaltungstaste.
Gibt es noch ein besonderes Feature, das bei Roger Sphere neu dazugekommen ist?
Man kann jetzt mehrere Roger-On-Sphere-Geräte miteinander koppeln. Das ersetzt bei großen Konferenzen mit vielen Sprechern praktisch auch das bisherige Table Mic. So hat man ein einziges flexibles Produkt für alle Einsätze.
Ist auch Auracast integriert?
Zurzeit noch nicht. Für diesen Einsatzzweck ist das Roger-Protokoll aufgrund der extrem niedrigen Latenz und der einfachen Handhabung aktuell die überlegene Lösung. Wir behalten Auracast für die Zukunft aber als Option im Blick.
Roger ist ja ein System, das man sehr gut transportieren kann. Wie robust ist das Gehäuse?
Es ist nach IP56 zertifiziert. Das bedeutet Schutz gegen Staub und Spritzwasser. Schwimmen sollte man damit zwar nicht, aber ein umgekipptes Glas Wasser sollte es aushalten.
Herr Kertész, vielen Dank für das Gespräch!